Werbung ohne Skrupel

Zu Recht wird unser auf Wachstum getrimmtes Gesellschafts-System kritisiert. Konsum ist einer der Ersatzhandlung für fehlende Werte. Immer öfter wird das in Frage gestellt und nach Alternativen gesucht. Die Schuldigen wurden auch schnell gefunden: Banken, Lobbyisten und Politiker. Allesamt ego-getrieben und skrupellos.

Was dabei übersehen wird ist die Tatsache, das unser überhitztes Kommerzklima auch ganz gezielt von immer größer werdenden und global agierenden Konzernen mit immer mehr Produkten bestückt wird. Und diese immer neuen Produkte brauchen können in den übersättigten Markt nur durch Werbung eingeführt werden. Ich spreche hier von Werbung in allen Kanälen! Jahrzehntelang hat man “Werbern” beigebracht, das man die dummen Verbraucher manipulieren. Noch heute ist dieser Glaube vorhanden und nährt sich aus teilweise gigantischen Werbeetats.

Jetzt kann man sich die Frage stellen, wieso ich das kritisiere. Das tue ich, weil aus meiner Sicht der Prozess und die handelnden Personen sich Ihrer Verantwortung nicht bewusst sind. Getrieben vom Absatz und dem Glauben an Manipulation werden Keyvisuals und Headlines wie am Fließband produziert. Und Hand aufs Herz: jeder von uns hat aktiv oder passiv schon an einem Meeting teilgenommen, wo Werbung zum Selbstzweck gemacht wird, wo Produktlügen in schöne Kampagnen gepackt werden und wo den Menschen erzählt wird, was sie kaufen sollen um auch weiterhin cool zu sein.

Schauen wir uns ein Beispiel aus meinem privaten Umfeld an:
Vor kurzem war ich mit meinem kleinen Sohn einkaufen. In den Regalen der Kühltheke war auf Augenhöhe für Kinder eine Reihe von Danone-Fruchtjoghurts platziert, mit dem Deckel in Blickrichtung der Kinder und bedruckt mit dem aktuellen Dauerbrenner unter kleinen Jungs: Disneys “Cars”.

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Diese Joghurts enthalten lt. Danone folgende “Nährwerte”:

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Wie man erkennen kann, besteht das Produkt zu einem großen Teil aus Zucker und gesättigten Fettsäuren. Beides Stoffe die Kinder lt. Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nicht essen sollten. Lustig ist in diesem Zusammenhang auch, das die Angaben des prozentualen Tagesbedarfs auf Basis eines Erwachsenen mit 2.000 kcal gemacht werden, Kinder im Alter von 3 Jahren aber nur 1.300 kcal benötigen. Umgerechnet bedeutet das, mit einem dieser Joghurts hätte mein Sohn 30% seines Zuckerbedarfs gedeckt. Well done, Danone.

Schaut man sich gleichzeitig die aktuellen Diskussionen um die Ernährungsgewohnheiten von Kindern, Übergewicht und Diabetes an ist das schlicht unverantwortlich. Und genau das möchte ich kritisieren und anprangern: Die fehlende Verantwortung der Werbung und den Prozessbeteiligten. Im Falle der Danone-Joghurts kann ich mit das Meeting mit Kunde, Werbeagentur und POS-Spezialist vorstellen und bin angewidert.

Nicht falsch verstehen, ich möchte hier keine Branche an den Pranger stellen oder den Gutmenschen spielen. Ich finde nur, das es an der Zeit ist, einer der größten Dienstleistungszweige der Welt in die Verantwortung zu ziehen. Da ist Kinderjoghurt nur ein kleines und persönliches Beispiel.

About Sascha

Sascha is a changemaker for social change and wants to create new solutions for a better society.